Reisen → Lauf, Tim, Lauf!
Es ist passiert, ich bin die vollen 42,125 KM gelaufen.
Am nächsten Morgen bin ich früh aufgestanden und auch direkt zum Startpunkt hin. Da auch dieser direkt in der Innenstadt war, kein großes Problem. Was mir besonders an der ganzen Organisation dort gefallen hat war die Herzlichkeit der Leute. Als ich bei einer Frau nachfragte, wo man einen Apfel kaufen könne, zog sie nur einen Joghurt aus ihrem Rucksack und entschuldigte sich noch dafür, dass es kein Apfel war. Zu diesem Zeitpunkt kamen auch meine Eltern, die mich während des Laufes unterstützen wollten. Dafür sind sie schon in den frühesten Morgenstunden in Herne losgefahren. Ohne den Zuspruch hätte ich es auch nicht geschafft.
Da es mein erster Marathon war, musste ich aus den hintersten Plätzen starten. Ich stand mit einem interessanten Grüppchen dort. Man meint nicht, wie viele ältere Menschen mit diesem Sport anfangen. Teilweise waren die Leute jenseits der 60. Da ich so weit hinten war, dauerte es auch 15 Minuten von Startschuss bis zum Überqueren der Startlinie. Atemberaubend, wie viele Leute dort stehen und einem zujubeln. Allein dafür lohnt sich die Teilnahme. Von den Endorphinen getragen machte ich den absoluten Anfängerfehler und startete zu schnell. Ich habe zwar das Tempo später wieder zurückgefahren, aber ich merkte doch den ganzen Lauf über, dass manche Energiereserve nicht mehr da war. Bei Kilometer 31 hat dann auch noch mein Bein gekrampft. Aufgeben war aber keine Option mehr und so schleppte ich mich durch die Straßen. Man meint gar nicht, wie sehr einen dann die Leute unterstützen. Ich war für jeden Zuruf dankbar. Am Ende kamen dann noch einmal die Glückshormone zum Vorschein. Teil der Gedanke, dass die Schmerzen gleich aufhören, teils der Gedanke, die große Leistung geschafft zu haben, haben mich über die Ziellinie getragen. Ich war noch nie so Dankbar, einen Teller Suppe zu bekommen.
Welche Lehre ziehen wir daraus? War es schmerzhaft? Ja, die Schmerzen waren schlimmer, als vorgestellt. War es schön? Auf alle Fälle! Die Eindrücke werde ich wohl nie vergessen und es macht mich ein bisschen stolz, auf die Landkarte zugucken und dort sehen zu können, was ich da abgelaufen habe. Der nächste ist schon in Planung.
Wer den Einlauf sehen will, hier ist der Link



Nach der üblichen Runde durch Frankfurt (Bankenviertel, Main, Zeil und Börse) ging es nach Starbucks, was für mich als nicht Starbucksgeher eine völlig neue Erfahrung war. Erstmal war es für mich echt faszinierend, wie der Laden eingerichtet ist. Im oberen Geschoss waren Sofas, Sessel und eigentlich war alles ungeheuer gemütlich und eher Wohnzimmer als Cafe. Dann waren da auch noch die anderen Besucher. Ich hätte die am liebsten alle in einen Zoo gesperrt und erstmal wochenlang irgendwelchen Untersuchungen unterzogen. Nicht aus Gehässigkeit, aber weil ich solche Leute in der “freien Wildbahn”, die sich mein Leben nennt, sonst nirgendwo treffe. Da waren wirklich diese stereotypen Mac-Designer Typen, Studenten, die im Cafe lernen (Warum auch immer), Hobby Punker, die sich in den Sofas fläzen, und auch welche, die ganz wichtig aussahen und auf Excel Tabellen gehackt haben (Wohlgemerkt im Cafe). Erschloss sich mir nicht so ganz, aber wir hatten unseren Spaß, denn das mit der gemütlichen Atmosphäre und dem Kaffee haben die schon ganz gut hinbekommen.


Die Betriebsversammlung fand im so genannten “Behrensbau” statt. Leider findet man im Internet sehr wenige Bilder, aber es lohnt sich, ein bisschen darüber zu recherchieren (
den linken Flügel, von dem ich schon viel gehört habe. Äußerlich hätten sie sich m ehr nicht unterscheiden können. Die einen (ratet mal, wer) in Anzug und Krawatte, die anderen hätten auch die Alkoholiker von dem nächsten Kiosk sein können. Die Betriebsversammlung als solche war interessant, aber wirkliche berichtenswerte Action blieb aus. Es stellte sich heraus, dass der Bonus doch gezahlt wird, jedoch geringer ausfällt und sich von jetzt an an den Planergebnissen ausrichtet, also auch intransparenter wird. Bei den Mitarbeitern zeichnete sich schon eine Resignation ab, ob der sie nicht mehr wirklich diskutieren wollten. Das einzige, was mich ein wenig erstaunt hat, waren die teilweise sehr harten Worte der Geschäftsführung. Ich kann zwar die Lage und die Inhalte nicht beurteilen, aber da war nix mit “Sandwichmethode” oder “beschwichtigen, nicht anstacheln”. Aber vielleicht ist der gute Mann auch nur mit dem falschen Fuß aufgestanden, man weiß ja nicht.
Aber wo? Mit wurde eine Kneipe mit dem Namen “Zur Stute” empfohlen. Als wir rein kamen, wussten wir auch sofort, woher der Name kam. In der 50 qm Kneipe war ein (komplettes) ausgestopftes Pferd untergebracht, dass auch erst mal wieherte, als wir rein kamen. Die Leute dort waren alle eher von der älteren Brigade außer zwei Ausnahmen, zu denen wir uns dann auch erst mal gesessen haben. Man kam schnell ins Gespräch und es kam heraus, dass uns da zwei Banker gegenüber saßen. Er von der KfW, Sie von der ProKredit, die Kleinstkredite an Leute in armen Ländern vergeben (übrigens ein ganz interessantes Konzept. Lest es mal nach (
Dann ging es noch zur Kleinmarkthalle. Jetzt kann ich verstehen, warum sich die Frankfurter so angestellt haben, als man sie abreißen wollte. Über und über Lebensmittelangebote wie auf dem tollsten Markt. Probieren darf man natürlich auch. Wir haben dann unser Mittagessen auf dem “richtigen” Markt zu uns genommen, wo ich zum ersten Mal “Handkäse mit Musik” gegessen habe. Und ich kann euch sagen, dass er seinen Namen zu recht hat. Danach ging es zum Fußball gucken in eine kleine Kneipe, in der man direkt die zweite kulinarische “Sight” in Frankfurt probieren konnte: “Apfelwein”. mir beschrieben wie eine Mischung aus Cidre und Essig, hätte ich allerdings schlimmeres erwartet. Zwar nicht mein Geschmack, aber trotzdem erträglich. Auf dem Rückweg haben wir noch einen kleinen Schwenker zur Börse gemacht, denn was wäre Frankfurt ohne seine Börse?

