Posts in Category: Reisen

Kanada, der nächste folgt sogleich

Montreal (Schule/Sprache/Apartment/Vegetarisches Essen)
Toronto (Riesig/Viertel/Waterfron/Prohibition)
Niagara Fälle (Brumm/Lady Mist/Poutine)
Ganaque (Thousand Islands Bootfahrt/Salat)
Abreise (Prince Edward Island/Fazit)

Kanada, der erste Streich

1408871369_thumb.jpegNachdem es in den letzten Jahren eher in östliche Richtung auf Erkundungsreise ging, ging es diesmal in entgegen gesetzter Richtung nach Nordamerika. Kanada, um genau zu sein. Der Wunsch entstand einfach aus den über die Jahre kumulierten Gesichtern, die alle dieses verträumte Leuchten in den Augen bekamen, wenn Sie von Ihrem Urlaub dort sprachen. Ich glaube, dass wir nun auch dazu gehören.

Da es1408870817_thumb.jpeg ein derart großes Land ist, haben wir uns auf die Ostküste beschränkt. Mit Montreal als Zentrum sollte es in der ersten Woche in den Norden, in der
zweiten Woche in die Sprachschule und in der dritten schließlich bis zu den Niagarafällen runter gehen. Bewusst haben wir die Tagesfahrten kurz gehalten und so auch ruhige Wegpunkte als Lagerstätten genutzt. Ein Experiment war auch dabei: Zum ersten Mal haben wir unsere Unterkünfte zu einem Großteil bei Privatpersonen über AirBnB gebucht.
Zunächst ging es, um den Jetlag zu verarbeiten und uns an das Land zu gewöhnen, in die Wälder von Sacacomie. Ein wunderschönes Hotel, ganz aus Holz gebaut, mit Hanglage und direkt am Bergsee. Es war nicht nur wegen dem phänomenalem Frühstück der Himmel auf Erden. Jedoch, auch im Paradies gibt es Mücken. Wasser + Wald + milder Winter resultierte in einer uns bei unseren Wanderungen ständig durch den Wald folgenden summenden, blutsaugenden Wolke. Da kommen schon mal 13 Stiche zusammen. An einer Schulter! Aber auch das war ein lösbares Problem. Wir machten uns sogar auf (mit Trapper) die größeren Waldbewohner zu suchen. So begegneten wir einer ganzen Bärenschar. Und auch, wenn sich die Bieber zunächst zurückhielten, konnten wir sie beim fleißigen Deichbauen beobachten.
DSC05009 1408871403_thumb.jpeg

Schweren Herzens fuhren wir weiter nach Quebec. Wir hatten uns auf einem Segelboot eingemietet, auf dem wir uns trotz kleinem Bettes sehr wohl gefühlt haben. Quebec stellte sich als wunderschön Altstadt heraus. Hinter jeder Ecke gab es was zu sehen; ob das kleine Gallien, alte Festungsanlagen oder Festavalbühnen waren. Festivalbühnen?! Ja, wie in fast ganz Kanada steppt zur Sommerzeit auch hier der Bär und wir konnten so zum Beispiel ganz umsonst in der Innenstadt Gogol Bordello sehen.
1408871441_thumb.jpeg

Weiter ging es nach La Malaie . Eine sehr ruhiger Küstenort mit charmanter Atmosphäre. Wir hatten uns hier wegen der Nähe zu Tadoussac und den Walen nieder gelassen. Eben jene sollten wir dann auch bald zu Gesicht bekommen. Leider haben wir von dem Großen nur die Fontäne gesehen, aber von den kleineren Walen gab es tatsächlich zuhauf. Beeindruckende Tiere. Den nächsten Tag (Wer rastet, der rostet) fuhren wir dann zum Canyoning. Naiv wie ich war, dachte ich da eher an einen horizontalen “Canyon”. Als wir ein Schriftstück mit dem Satz “..willige ein, eine 50m hohe Wasserfallkaskade hinunter zu steigen.” unterschrieben, dämmerte mir langsam mein Fehler. Und so kam es dann auch. Schon, um in das Wasser zu kommen, müssten wir uns einen 4 Meter hohen Steilhang abseilen. Und das war erst der Anfang. Trotz meiner bis vor 2 Jahren noch sehr starken Höhenangst kam es mir aber nach dem ersten Fallenlassen gar nicht mehr all zu schlimm vor. Es herrschten eher Gefühle wie schön, erfrischend oder einfach nur TOLL!

1408871470_thumb.jpeg

Und mit diesen Gefühlen im Bauch ging es weiter, zurück nach Montreal.

Dschungel & Dschungel (Kambodscha, die Vierte)




DSC03995

DSC04029

Erst Dschungelruinen, dann ab in den “richtigen” Dschungel!
So in etwa hatten wir uns das bei der Reiseplanung gedacht. Ein bisschen komisch wurde uns aber schon, als wir zunächst 5 Stunden mit dem Bus in Richtung nirgendwo fuhren, nur um dann in ein Kanu gesetzt zu werden, dass uns noch einmal 2 Stunden per Fluß in den immer dichter werdenden Wald führte. Endlich angelegt, wurden wir informiert, dass wir nun ca. eine halbe Stunde “ungefähr” in die Richtung “da” gehen müssten.
Nachdem wir den Hauptbau der kleinen Bambussiedlung erreicht haben, wurde uns sehr schnell klar, dass es sich hier um eine Unterkunft der Sparte “Eco-Tourism” handelt. Hier wurden lokale Bewohner, oftmals auch Wilderer, dazu gebracht, Ihre Fertigkeiten besser als Touristenführer einzusetzen. Auch waren alle Hütten mit kleinem ökologischen Einschlag aus lokal vorkommenden Materialien gebaut worden. Strom gab es nur Abends, die Dusche war über der Toilette. Diese Art des Urlaubes war ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gibt einem die Abhängigkeit von der Umgebung (Duschen im Bach war einfach angenehmer/Wenn Licht aus war, war List aus) eine merkwürdige Gelassenheit. Andererseits war es auch wirklich die volle Breitseite der Natur, mit der man in Berührung kam. So sind die Geräusche im Dschungel nachts und ohne erfahrene Guides durchaus furchteinflößend. Auch schwöre ich bis heute noch, dass der lokale Regen in unserer Hütte durch Tiere verursacht wurde, die uns durch das Dach zu markieren suchten. Blutegel sind auch ziemlich eklige Gesellen, durften wir dort feststellen.

Derart die Nerven gestählt, sDSC04089ind wir dann in die große Stadt: Bangkok!
Wir kehrten an der Khaosan Road ein, “der” Rucksacktouristen-Straße überhaupt. Inzwischen natürlich für den Massentourismus angepasst ähnelt hier vieles einem Jahrmarkt,d er aber sehr amüsant anzuschauen ist. Mir ist die Stadt wirklich sehr sympathisch. Eine TukTuk Fahrt treibt den Verkehr ähnlich hoch wie eine Achterbahnfahrt und es gibt einfach immer etwas neues zu entdecken.
Wir haben uns diesmal auf die Standards beschränkt. So waren wir auf dem TNT Markt. Zehntausende kleiner Stände dicht an dicht gedrängt. Hier kann man von der Wohnungseinrichtung bis zum T-Shirt alles kaufen. Dagegen verblassten selbst die Shopping-Zentren in der Innenstadt. Im Königspalast konnten wir uns kaum entscheiden. Auf der einen Seite unglaublich Kitschig, aber auf der anderen Seite einfach so eindrucksvoll. Alles glänzt und funkelt.

Und so flogen wir wieder gen Heimat. Entspannend war der Urlaub nicht wirklich, aber wir waren um viele, viele Eindrücke reicherDSC04181her.

Siem Reap (Kambodscha, die Dritte)

 


Siem Reap… Ja, was soll man sagen? ach dem etwas ungemütlichen Phnom Penh wirkte dieses kleine Örtchen mit seinen kleinen Gassen und bunten Farben geradezu paradiesisch.

DSC03365

DSC03296

Natürlich ist es auch eine Touristenfalle, aber eine durchweg sympathische. Viele nette Restaurants, kleine Läden, Lebenmittelmärkte. Wir hatten hier wunderschöne Tage und Abende.
Auch hat hier das Radtour-Konzept perfekt funktioniert. Die Stadt ist klein und man ist schnell auf weitem Flur. Im Nationalpark des Angkor Wats gibt es viele Bäume, die Schatten spenden und so war man nicht mehr durch das Wetter belastet, als hier im Frühjahr. Auch hatte dieses für Touristen etwas ungewöhnliche Verkehrsmittel den netten Nebeneffekt, dass wir genau versetzt zu den Frühaufstehern und den Mittagessern in den Ruinen ankamen; es war nicht leer, aber man musste sich nicht drängeln.DSC03418DSC03629

Diese Station war eine der großen Gründe, warum wir die Reise überhaupt angetreten haben. Hat es sich gelohnt? Auf jeden Fall!
Das Angkor Wat ist einfach beeindruckend. Man fährt einen breiten Fluß entlang und merkt auf einmal, dass es sich hier lediglich um den “Burg”-Graben der Anlage handelt. Hier hat man also versucht, aus damaliger Sicht ein Abbild des Himmels auf Erden nachzubauen. Man merkt an jeder Ecke, wie viel Finesse in den Bau gegangen ist. Symmetrie, Größe und Detailreichtum sind einfach überwältigend.
Aber auch die anderen Ruinen sind einen Besuch mehr als wert. Alles wirkt irgendwie andersweltlich und verwunschen. Wer einmal Indiana Jones sein wollte, hat hier seine Chance dazu. Unterstützt wird das Ganze natürlich sehr von den Bäumen, die teilweise sogar in die Ruinen so hineingewachsen sind, dass sie nun die ganze Struktur halten.

Den Naturaspekt unserer Reise sollte noch weiter verstärkt werden, denn nun ging es fernab jeder Zivilisation.

Kambodscha, die Zweite

DSC03250

Da waren wir nun, Kambodscha. Nach einer längeren Reise über die Grenze mir einem Fahrer, von dessen Berufswahl ich bis zum heutigen Tag nicht überzeugt bin (Wir sind mit einer Stunde Verspätung eingestiegen und hatten  den ersten Unfall nach 5 Minuten) wurden wir direkt an der Waterfront von Phnom Penh untergebracht.

Phnom Penh ist keine schöne Stadt. Alles ist sehr dicht und auch irgendwie voller Industrieabgase. Von unserem Balkon konnten wir einen Kaufplatz beschauen. Unter die Leute gemischt überkam uns aber eher das Gefühl, in einer Waschtrommel mit Hühnerbeinen als auf einem Bummelmarkt gelandet zu sein. Ähnlich stellte sich auch unser Bestreben nach einer Radtour am nächsten Tag als etwas zu waghalsig heraus. Das sind Straßen, auf denen ich nicht mit dem Auto fahren würde (die anderen Verkehrsteilnehmer sind nicht unschuldig daran). Und da habe ich Air Bags! Mit einem Fahrrad, an dem leider die Bremse nur in etwa bei jedem dritten Mal greift, muss man sich die Adrenalinausschüttung entsprechend angepasst vorstellen.

Trotzdem waren die Sachen, die wir gesehen haben, sehr interessant.DSC03187
Unser Guide sprach durch einen Aufenthalt in der DDR sehr gutes Deutsch und hatte die Zeit der roten Khmer am eigenen Leib mitbekommen. Entsprechend bedrückend war die Besichtigung der Gefangenenlager und Killing Fields. Auch, wenn das ohne Frage nicht in die Kategorie “klassisch schöne” Reiseerinnerungen gehört, war es doch wichtig, es einmal gesehen zu haben. Unfassbar (und dann als Deutscher leider auch schon wieder nicht), wie viel Leid und Rückschritt hier in so wenigen Jahren passiert ist.
Die anderen Stationen der Reise hier waren “leichter”. Siam war ohne Frage eine kulturelle Schlagader Asiens und entsprechend viele Prunkbauten und Geschichtsschätze sind auch hier vertreten. Selbst, wenn es den Attraktionen in Thailand ähnlich ist, war es doch wieder eindrucksvoll. Aber nach einem guten Tag ging es auf unserer rastlosen Reise auch wieder weg. Diesmal in Richtung Siem Reap und damit dem sagenumwobenen Angkor Wat!DSC03223

Kambodscha, die Erste

Beim Blick in das Blog ist mir aufgefallen, dass der Urlaub des letzten Jahres gar nicht richtig gewürdigt wurde. Dem möchte ich jetzt nachkommen.

DSC03010

Nach der üblichen Findungsphase (Strand oder Berge? Exotisch oder “normal”? Westen, Osten, Süden oder doch gen Norden?) wurde eine Reise zusammengestellt, die so manches Überraschungsei in den Schatten stellen könnte:
    • Sportlich (Eine Woche Fahrradtour)
    • Exotisch (Thailand & Kambodscha)
    • Schön (Regenwaldinsel/Hotel in Bangkok)
Die erste Nacht fing gut an. Wir hatten uns nur zur Übernachtung in eine kleine Seitenstraße nahe dem Zentrum eingenistet, allerdings nicht damit gerechnet, dass viele Bankautomaten in Thailand zwar deutsche Kreditkarten annehmen sollten, dies aber nur sehr sporadisch dann auch tun. Naja, nach ein paar Versuchen kamen wir an unser Geld und es ging zum nächsten Stopp der Reise: Chiang Mai.
DSC03182Die erste Lehre der Insel: Es gibt eine Regenzeit. Die zweite Regel lautete: Ja, den Namen trägt die Zeit zu recht. Das hatte leider als Auswirkung, dass der Strand nur begrenzt Spaß verströmte und das Meer durch diverse Strömungen nicht zum Schwimmen empfohlen wurde. Letzteres auch an den trockenen Tagen…Chiang Mai ist eine Tropeninsel, die noch weitgehend vom schlimmsten Massentourismus (siehe: Phuket) verschont geblieben ist. Sonnige Sandstrände, urige Bungalows und traumhafte Natur vor der Tür; dachten wir uns.
Trotzdem war die Insel interessant. Alles war riesig. Von Schmetterlingen groß wie Handteller bis zu Spinnen, die ähnlich gut proportioniert waren. Da schien es passend, ein Elefantencamp zu besuchen. Mit diesen ist es ja immer so eine Sache. Unterstützt man hier Tierquälerei oder vielleicht sogar eine unterstützenswerte Umweltinitiative??? Gott sei Dank hatten wir (jedenfalls vom Eindruck her) das Gefühl, dass es den Tieren dort gut gehen würde. Und so haben wir an einem sehr schönen Tag diese einfach wundervollen Tiere etwas näher kennenlernen können. Einfach beeindruckend. Schön war auch die Tauchtour dort. Wenn auch die Fische nicht ganz so farbenfroh wie “am Rüssel“ (von Thailand jetzt) waren, ist es immer wieder ein Erlebnis unter Wasser zu gehen. Wie im Aquarium.
Nach einer knappen Woche war auch schon unsere Zeit dort vorbei und es ging weiter. Auf nach Kambodscha!

2013 09 08 13 57 13

 

Brüssel

DSC02439

Der Himmel war bewölkt, es viel auch noch Ende März genügend Schnee vom Himmel um liegen zu bleiben und es war einfach saukalt.

So standen wir zum ersten Mal auf Brüssels Straßen. Unserer Freude, da zu sein, tat das trotzdem keinen Abbruch. Auf Brüssel waren wir aus verschiedenen Gründen gekommen. Ich konnte zum ersten Mal mein brüchiges Französisch in freier Wildbahn ausprobieren und die Stadt schien einiges an Kultur (Museen, Architektur, EU) und Spaß (Bier, Waffeln, Museen, Architektur, EU) bieten zu können.

DSC02309

Als erstes verschlug es uns in die Museen der Stadt. Brüssel hat hier echt einiges zu bieten. So konnten wir uns im zentralen Museum eine riesige Ausstellung mit Mittelalter Malereien von Bosch bis Rembrandt anschauen (Vorsicht, ganz schön blutig). Direkt gegenüber gab es die letzten 20 Jahre von Neo Rauch zu bestaunen (Vorsicht, ganz schön verstörend). Es ist echt beeindruckend, wie hier Kultur Haus an Haus lebt. Vielleicht nicht jedermann’s Sache, aber auf jeden Fall ist für jeden was dabei.
Auch Architektonisch hat die Stadt einiges zu bieten. Art Nouveau ist in vielen Gebäuden teilweise, in manchen noch komplett zu bestaunen. Im Victor Horta Museum konnten wir eine wilde Materialkombination von Kupfer, Ziegel, Holz und Glas bestaunen, die jedoch immer wohnlich aussah.

Dann war das Herz der EU dran. Gerade als wir da waren ist die Zypern Krise besonders hoch gekocht und hinter jedem Riss in dem Mauerwerk steckte eine gewisse Symbolik. Trotzdem war es schön in den Besucherzentren. Es ist einfach unglaublich, die Informationsprospekte mal auf allen europäischen Sprachen ausgedruckt dort liegen zu sehen. Da wird einem erst mal bewusst, wie viel diese Staaten gemein, aber auch verschieden haben. Besonders der Besuch im recht neuen Parlamentarium ist zu empfehlen. Sehr interaktiv macht man dort die Geschichte und die Prozesse innerhalb der jetzigen EU mit.

DSC02303

Aber keine Reise wäre komplett, ohne mal die Küche begutachtet zu haben. Hier konnte ich gleich mehrere Punkte abhaken. Zum ersten Mal von einem Belgier über’s Ohr gehauen? Check, die Sahne auf der Waffel hat 4€ zusätzlich gemacht. Belgische Waffel gegessen? Check, und auch noch den ganzen Tag etwas davon gehabt. Es war, als wäre ein brennender Kalorienball meine Speiseröhre runter gekrochen und hätte mich den ganzen Tag warm gehalten. Ich weiß nicht, ob ich das empfehlen würde, aber es war definitiv ein Erlebnis.

Auch das Bier wurde probiert. Mir gefällt die große Auswahl in den Bars hier. Durch die vielen Flaschenbiere kann man sich auch mal ausgiebig ausprobieren. Ein lustiger Abend und eine Bierverkostung in einem. Was will man mehr?

Etwas chaotisch war dann unsere Rückreise. Wir kamen gerade aus dem EU Viertel, nur um festzustellen, dass unsere Zimmerkarte nicht mehr zu funktionieren schien. An der Rezeption hatte man sich schon gewundert, weil wir nur bis zu diesem Tage gebucht hatten. Ein schneller Blick in den Kalender ließ dann die schlimmste Befürchtung wahr werden. Der Zug war auch schon für heute gebucht und das nur 25 Minuten nach dieser Information. Der schnellste Check Out, den ich jemals hinter mich gebracht hatte. Aber es ging noch einmal alles gut. Wir merken uns: Nicht nur die Abfahrtzeiten, sondern auch die Tage noch mal checken

DSC02457

 

Wir sind dann mal weg (Die Dritte)

Da waren wir also in Santiago de Compostella, dem Ziel unserer Reise.

DSC01696

DSC01856

Glücklich und zufrieden haben wir erst einmal die Stadt unsicher gemacht.
Es gibt zwar viele Touristen dort, aber die Bilder, die uns durch die Menschenmassen auf dem letzten Wegstück vor Augen waren, trafen nicht zu. Ich habe keine Ahnung, wo sich die Menschenmassen versteckt haben, in der Innenstadt war es auf jeden Fall angenehm leer.
Die Stadt ist durch drei Dinge geprägt: Die Kathedrale, die wunderschöne Altstadt und die Universität, die zu einem sehr jungen Menschenschnitt auf der Straße führt. Stellt euch Münster in größer und bei besserem Wetter vor.

Beim Abholen der offiziellen Pilgerurkunde haben wir uns aus Gewohnheit an die nicht englisch sprechende Bevölkerung in Nordspanien wieder mit Händen und Füßen bestätigt. Als dann (natürlich nach der Abhandlung der wichtigsten Fragen) der Blick der Angestellten auf unser Land viel, kam aber direkt ein “Ach, Ihr kommt aus Herne?! Ich hab’ ganz lang in Bochum gewohnt!”. Die Welt ist ein Dorf. Und so haben wir beim Belohnungseis am Nachmittag auch noch zwei Mitwanderer getroffen, die wir eigentlich unterwegs verloren geglaubt haben.

Wir haben dann mit unserer Weiterfahrt nach Vigo auf den nächsten Nachmittag verschoben, denn ich wollte noch den Pilgergottesdienst mitmachen. Das war allerdings ein Kulturschock. Ein Stunde Spanisch und man verstand nichts. Highlight hier war aber dennoch das Weihrauchschwenken, was mit einem riesigem Gefäß an einem mindestens 30 Meter langen Seil quer durch die Kirche geschleudert wurde. Nicht durch einen Mechanismus, sondern durch 5 Mönche. Wenn die losgelassen hätten…

IMG 0531

Vigo haben wir hauptsächlich angesteuert, um auf den Ilies Cies noch ein wenig Badeurlaub zu machen. Es war eine schöne mittelgroße Küstenstadt mit einer Promenade, angenehmen Fußgängerzone und natürlich den sehr, sehr schönen Ilies Cies. Diese waren wirklich schön. Zwei Inseln, die nur durch einen feinen Sandstrand verbunden waren. Leider hatten wir die Baderechnung ohne den Atlantik gemacht. Das Wasser war wirklich saukalt. Nach einer Weile war es aber sehr unterhaltsam, die Spanier zu sehen, die auch verzweifelt an der Wassergrenze standen, aber dann doch nicht rein wollten.

 

Vigo wurde für uns auch noch durch ganz großes Shopping und Tapasessen ausgemacht. Es waren schöne, letzte Tage einen wundervollen Urlaubs. Auch wenn er anstrengend anfing, war es einer der lohnendsten Urlaube, die ich je gemacht habe. Auf jeden Fall eine Empfehlung für alle, die Lust drauf haben!

Wir sind dann mal weg (Die Zweite)

DSC01221

Nach der ersten Etappe, von der ich in dem letzten Eintrag schrieb, lagen also noch über 200 Km Fußmarsch vor uns. Wir waren uns beide unsicher, ob diese Reise überhaupt das ursprünglich anvisierte Ziel erreichen würde.

Gott sei Dank (was in Anbetracht der Reiseroute wohl ein sehr treffender Ausspruch ist) stellte sich das als Fehlalarm heraus. Nachdem wir die Tagesetappen etwas kürzer gesetzt hatten und auch Pausentage einbauten, kam man relativ schnell an den Punkt, an dem die Wanderei wirklich Spaß machte. Natürlich waren wir abends immer noch erschöpft, aber halt nicht mehr „kaputt“.

Da es sehr müßig wäre, die Reise chronologisch wiederzugeben, werde ich mich auf die wichtigsten Aspekte beschränken: Der Weg, die Menschen und die Abendunterkünfte.

OK, also zunächst zur Wegstrecke…

Nachdem wir uns in den täglichen Rhythmus der Wanderei eingefunden hatten, hatten wir auch genug Muße, um mal nach links und rechts zu schauen und uns die Landschaft anzusehen. Und was wir sahen, war durchaus positiv. Nach wie vor hatten wir lange Straßenetappen dabei, aber die Industrie aus Aviles war verschwunden und wurde durch dichte Natur ersetzt. Ganze Tagesetappen führen mitten durch Eukaliptuswälder, die in der warmen Mittagssonne herrlich nach einem Saunaaufguss rochen. Nicht zu vergessen sind auch die Abschnitte, die uns genau auf der Steilklippe am Meer entlang geführt haben. Oder, um das Klischee perfekt zu machen, als wir auf den Bergen standen und einen wunderbaren Ausblick ins grüne Tal hatten. Mein in mir wohnendes Teenagerselbst höre ich da rufen „Du Spießer“ aber den möchte ich mal treffen, der sich nach einer langen Wanderstrecke mit Oliven, Speck und Abrissbrot ins Feld setzt und nicht für sich denkt „Einfach schön!“.

…und nun die Menschen…

Die Menschen, die wir auf der Reise trafen, ließen sich in verschiedene Gruppen einteilen. Da

DSC01240waren zunächst einmal die Anwohner. Ich hatte ja befürchtet, dass diese von dem ganzen Camino-Hype schon etwas genervt auf uns reagieren würden. Bilder von knorrigen Bauern, die die Hände über das Gesicht schlagen und ein unverständliches „Touristas“ vor sich her brummeln standen mir vor Augen. Aber nein, wir wurden stets freundlich und neugierig begutachtet, wenn wir durch ein Dorf gingen. Von überall wurde einem ein „Buen Camino“ gewünscht und obwohl wir nur mit Händen und Füßen antworten konnten, wurden wir auch das ein oder andere Mal in ein Gespräch verwickelt. Die zweite Gruppe, die einem naturgemäß auf dem Weg begegnete, waren die anderen Wanderer. Bis zum Ende teilte man sich die Tagesetappen mit ca. 40 Mann (oder Frau), so dass man sich zwar in den Pausen überholte, aber sonst doch relativ wenig Tageskontakt hatte. Den weitaus größten Teil dieser Gruppen machten Spanier und Deutsche aus. Hier war der Unterschied sehr deutlich sichtbar. Wo viele Deutsche den Weg eher als Möglichkeit sahen, vom Alltag abzuschalten und ein wenig die Ruhe zu genießen, war die Reise für viele Spanier eher ein Abenteuer mit günstigen Unterkünften. Das klingt wertend, aber so meine ich das nicht. Es war aber doch lustig, hier die gängigen Länderklischees bestätigt zu wissen. In Summe waren doch alle Menschen, denen man begegnete nett und haben einem die Reise immer eher einfacher als schwieriger gemacht.

…und zu guter letzt die Unterkünfte.

DSC01494

An treffenderweise letzter Stelle kommen die Herbergen, in denen wir übernachtet haben. Ich muss gestehen, dass wir nicht nur in den für Pilger extra bereitgestellten Pilgerherbergen geschlafen haben, sondern auch manchmal das Hotel nahmen. Bei den Hotels ist besonders das in Soto del Barco zu erwähnen. Wir sind mit dem Bus dorthin, ins Nirgendwo, gereist und hatten absolut keine Lust, mit dem schweren Rucksack auch nur einen Schritt zu machen. Die Stadt sah aber zu unserer Enttäuschung eher nach einer alten Wild West Geisterstadt aus, als nach dem Hotelort, als das es im Führer beschrieben war. Eine verrauchte Kneipe, aus der man uns mit knappen Spanisch raus schickte, ein zugemachtes Hotel, dessen Fenster mit Holzbalken zugehämmert waren, waren die ersten Eindrücke neben der Busstation. Doch auf einem Berg unweit vom „Zentrum“ war ein schönes und vor allem vollkommen im Reisebudget liegendes Hotel. Man kann sich nicht vorstellen, wie begeistert wir waren, als wir auch noch die Jakuzzi im Zimmer entdeckten. Bei den Pilgerherbergen wurde das komplette Spektrum abgedeckt. Die schlechteste Pilgerherberge, die wir bezogen, sah bei Sonnenschein mit ihrer Klippenlage noch nett aus. Als sich bei Nacht aber herausgestellt hat, dass sich die Tür nicht schließen ließ, sah die Sache allerdings gänzlich anders aus. Die spanischen Nächte sind kalt, kann ich euch sagen. Auch hatte diese Herberge ein sehr interessantes Arrangement, was die Toiletten anbelangte. So ließen sich die Toilettenkabinen weder abschließen, noch konnte die Tür nur zugezogen werden (was aber einige Mitpilger verblüffenderweise wenig störte). Hinzu kam noch, dass mitten über der Toilette der leck geschlagene Warmwasserboiler hing, der stetig ein braun gefärbtes Wasser abgegeben hat. Diese Herberge hatte eher das Prädikat „Man kam wenigstens am nächsten Morgen gut los“. Daneben standen aber zahlreiche gut (und von Freiwilligen) gepflegte Herbergen, die für mich ihren Höhepunkt in einem efeuüberwucherten Kloster fanden. Ein wunderschön erleuchteter Innenhof, relativ abgetrennte Schlafkammern und einfach eine wunderschöne Atmosphäre prägten hier den Aufenthalt.

Soweit also zur Wegesübersicht. Im nächsten Eintrag werde ich ein wenig über die letzten Meter vor dem Ziel erzählen, auf denen sich noch einmal sehr viel verändern sollte. Und natürlich auch von Santiago de Compostela selbst, dem Ziel unserer Reise.

Wir sind dann mal weg! (Die Erste)

DSC01072

Die Idee, den Jakobsweg zu laufen, war bei mir schon relativ früh geboren. Ca. mit 17 Jahren las ich davon und fand die Idee faszinierend, auf diesen Weg, der schon von tausenden Menschen über die Jahrhunderte begangen wurde, meine Füße zu setzen. Immer wieder hatte ich mir den Lauf vorgenommen. Nach dem Abi, nach dem Diplom… und immer mit guten Gründen aufgeschoben. Als die Ferienplanung 2012 anstand standen meine Freundin Claudia und ich vor einem Rätsel. Abenteurer sollte drin sein, Spaß, Sport und auch Erholung. Zunächst schwebte sogar eine Radtour durch die USA im Raum. Diese mutierte aber über die Zeit. Erst sollte der Jakobsweg mit dem Fahrrad abgefahren werden, dann wurde auch noch das Fahrrad weg gelassen. Und dann, ja dann waren wir wieder bei dem ganz ursprünglichen Plan, den ich seit über 10 Jahren hegte.

DSC01060Die Planung haben wir uns denkbar einfach gemacht. Da wir beide absolut nicht für eine mehrtägige Wanderung, noch dazu im heißen Spanien, ausgerüstet waren, haben wir uns im Globetrotter, Köln ausgestattet. Dieses Geschäft hat sich als reine Wunderwelt herausgestellt. Man will seine Sachen in der Eiskammer oder in tropischen Monsunverhältnissen ausprobieren? Kein Problem hier. Diese Tour war insofern eine gute Sache, als dass wir nach diesem Tag und ein paar Einkäufen im Internet wirklich gut ausgestattet waren und uns schon mal um eine Sache weniger einen Kopf machen mussten. Blieb nur noch die Reiseroute. Diese hatte sich dann auch schnell erledigt in Form eines Reiseführers, den wir geschenkt bekommen haben. Der Weg führe über große Teile am Atlantik vorbei und wurde als relativ ungestört beschrieben. Warum also nicht? Nachdem der Pilgerpass bestellt war, war für uns die Planung schon abgeschlossen. Klar hat man sich Probewanderungen, Tagesroutenplanung vorgenommen. Aber wie das so oft mit Plänen und dem Leben ist, kam immer was dazwischen.

DSC01369Und genau das sollte sich schnell rächen. Unsere erste Tagesetappe führte uns von Gijon nach Aviles. Obwohl dies beliebte Startpunkte für den Weg sind, sind beides sehr industriell geprägte Städte, die weder durch Wanderfreundlichkeit, noch durch Schönheit beeindrucken. Stundenlang ging es auf Schnellstraßen durch eine Industriewüste, die das Ruhrgebiet als Bundesgartenshow erschienen ließ. Hinzu kam, dass der Weg relativ gebirgig war. Mein flüchtiger Gedanke war ja, dass sich an der Küste alles auf Meerespiegelebene abspielt und darüber hatte ich selbst meine eigenen Ausflüge in das Gebirge im Norden Spanien vollkommen über Bord geworfen. Dass ich mit dem Satz „Die haben noch nie einen Marathon gelaufen“ die empfohlenen Gewichtsangaben der Reiseführer weitgehend in den Wind geschrieben hatte und alle Kameraobjektive vor mir hertrug, war in dieser Situation auch nicht förderlich. Ach ja, um unser Glück an diesem Tag perfekt zu machen hat es über weite Strecken geregnet.

Als wir am Abend in Aviles ankamen war ich mir ehrlich gesagt gar nicht mehr sicher, ob diese Reise eine so gute Idee war. Der Muskelkater für den nächsten Tag kündigte sich schon an und von Erholung war auch keine Rede mehr. Wir waren uns schnell einig, dass wir es an den nächsten Tagen etwas ruhiger angehen lassen würden. Statt der ursprünglichen 25 wurden nun 20 Km für eine Tagesetappe angesetzt und die ein oder andere Busreise sollte uns auch erlaubt sein. Im Nachhinein waren das auch genau die richtigen Entscheidungen. Obwohl der Regen und das Gebirge uns nicht wohlgesonnener wurden, kamen wir mit dieser Strategie langsam aber sicher durch Gewöhnung in die grüne Zone, in der die Wanderei richtig Spaß machte. Aber dazu ein andermal…