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Wochenende in Wien

Letztes Wochenende habe ich meine Verwandtschaft in Wien (und Umgebung) besucht. Den Besuch hatte ich mir schon seit Ewigkeiten vorgenommen, kam aber leider zwischen der Uni und den ganzen Praktika nicht dazu. Schade, denn ich könnte schon wieder hin.

Ich kam am Freitag in Wien an. Da die ganze Verwandtschaft arbeiten musste, war es erstmal an mir, Wien allein zu erkunden. Ich habe den Morgen für einen kleinen Spaziergang reserviert, auf dem ich mich natürlich gleich hoffnungslos verlaufen habe (Ich war sogar einmal dort, wo die U-Bahnen und die Dummen, die die Endstation vergessen, gelagert werden). Aber umso besser, so sieht man wenigstens das echte Wien. Und das ist wunderschön. Die Bauten sehen alle unheimlich schön aus und es gibt viele Säulen. Anders als in Washington wirken die Gebäude dazu aber sehr organisch und man kann sich wirklich sehr gut vorstellen, wie damals der Kaiser durch die Straße gezogen ist. Auf meiner Odyssee habe ich auch was von den sehr heftigen Studentenprotesten dort mitbekommen. Sämtliche Universitätsgebäude sind mit Bannern versehen, auf denen sich die Studenten Luft machen.

Meine erste “richtige” Sehenswürdigkeit war der Stephansdom. Ein sehr schöner Dom, der mitten im Zentrum von Wien steht. Für mich war er aber wegen seiner Katakomben so interessant. Hier gab es den neuen Teil, der für “Höhere” bestimmt war, und den alten, in dem die normale Bevölkerung ihre letzte Ruhe fand. Im ersten Teil waren z.B. die Habsburger, ein sehr mächtiges Adelsgeschlecht, begraben. Da diesen aber ein einzelnes Begräbnis nicht reichte, hat man für jeden gleich drei abgehalten. Eines für den Körper, eines für das Herz, eines für die anderen inneren Organe, jedes in einer anderen Kirche. So stand ich dann zwischen vielen Gefäßen, die ein wenig an Einmachgläser erinnerten und die inneren Organe enthielten. Ein komisches Gefühl. Im alten Teil war sehr interessant zu sehen, wie früher bestattet wurde. Hier gab es nämlich nur Massengräber, die teilweise auch komplett für Pestopfer reserviert wurden. War dieser Teil der Katakomben voll, hatte man auch keine Skrupel, die Gebeine einfach platzsparender einzulagern um Platz zu schaffen. In Summe alles sehr makaber, aber definitiv sehenswert.

Als großer Fan der UNO konnte ich es mir ja nicht nehmen lassen, eines ihrer größten Büros zu besuchen. Dieses steht in der so genannten UNO City (natürlich in Wien). Hier ist zum Beispiel die UNO Behörde, die sich für den friedlichen Einsatz von Atomkraft einsetzt lokalisiert.
Wo wurde damals der nordkoreanische Atomtest detektiert? Nicht in einer abgelegenen Forschungsstation, sondern genau hier. Ich wollte natürlich alles besichtigen. Nachdem ich meinen Besucherausweis in der Hand hielt kam ich mit einer aus Washington geschickten Studentengruppe ins Gespräch. Sie studierten alle Politik und wurden in 10 Tagen durch ganz Europa geschickt. Ich malte mir aus, dass deren Führung bestimmt interessanter werden würde und ging einfach mit. Das Innere war dann auch wirklich beeindruckend. Natürlich alles im Stil der 70er, aber man muss sich ja auch dazu denken, was hier alles getan wird und welche verschiedenen Positionen es hier schaffen, relativ friedlich unter einem Dach zu arbeiten. Und das zu einer sensationellen Miete von 1 Schilling im Jahr! Eindeutige Höhepunkte der Reise waren der Friedensnobelpreis, der an einer Wand hing (ich war ihm sooo nah), und das Stück Mond, dass die NASA als Geschenk gegeben hat. Schon beeindruckend, wenn man sich vorstellt, was es für eine Reise hinter sich hat. Ein Hoch auf die Ingenieure ;)

Die Nationalbibliothek und die Schatzkammer kamen noch zum Schluss. Der Prunksaal der Bibliothek war sehr schön und geräumig, war aber trotzdem nicht so eindrucksvoll wie der der Anna Amalia Bibliothek. Man merkte, dass diese Bücher nicht mehr genutzt wurden. Die Schatzkammer war beeindruckend. Schon allein wegen der Reliquien. Ein Nagel vom Kreuz, eine Dorne der Dornenkrone, ein Stück Holz vom Kreuz und sogar die Lanze, mit der Jesus erstochen wurde, waren hier zu finden. Wie hat mal jemand gesagt? “Wenn alle Reliquien wahr wären, wäre Jesus an einem ganzen Wald gekreuzigt worden.”

Der Besuch bei der Familie war sehr schön. Ich kam bei meinem Großcousin unter und der hat wirklich eine sehr nette Familie. Sein Sohn war sogar so nett und hat mir sein Zimmer überlassen. So haben wir am Samstag dann auch den Rest, der am Rax lokalisiert war, besucht. Ich habe mich echt gefreut, alle mal wieder zu sehen. Nicht zuletzt wegen der exzellenten Kochkünste ;)

Am Abend ging es dann für mich wieder zurück nach Wien. Dort wurden das Museumsquatier, in dem der erste Punschverkauf aufgemacht hat, und ein paar Bars näher inspiziert. Könnt ihr folgende Liste vervollständigen: Tocotronic, WIZO, Rocko Schmony und …. Ich! Ich hatte mich in der Seite im Reiseführer verschlagen und bin so im Fürstenhof gelandet, was eben diese (und noch viele andere) illustre Persönlichkeiten beherbergt hat. Wirklich nette Mitarbeiter, schöne Zimmer, zentrale Lage und ein fairer Preis, eine klare Empfehlung von mir.

Am nächsten Tag wurde noch der Nationalfriedhof besichtigt. Angeblich sind dort mehr Leute bestattet, als Wien Einwohner hat. Einige von ihnen Falco, Beethoven und Strauß. Wirklich sehr schön und ein würdiger Abschluss für meine Reise. Wien, ich komm bald wieder!