Alltag → Das neue Jahr (etwas verspätet)
Ich werde zur Silvesterzeit zu einem dieser Leute, die pathologisch das letzte Jahr reflektieren und gleich auch das nächste schon mal mitplanen wollen. Bevor ich damit zu viele meiner Mitmenschen quäle, lasse ich meiner Gedanken lieber hier mit ein bisschen Verspätung auf die Untiefen des Netzes los.
Um es kurz zu machen: Das letzte Jahr war wunderbar! Es hatte alles, was ein gutes Jahr braucht. Persönliche Entwicklung, ein Abschluss, ein Neubeginn und viele tolle alte und neue Personen in meinem Leben.
Eines der größten Erlebnisse des letzten Jahres war ohne Frage der Abschluss des Studiums (ich darf mich jetzt offiziell Dipl.-Ing. schimpfen. Yeah!) und die anstehende Jobsuche. Ich mochte eigentlich die Uni und auch das ständige Dazulernen, müsste aber lügen, wenn es nicht Zeit gewesen wäre, was “Vernünftiges” zu machen. Die nachfolgende Arbeitssuche in der Finanzkrise, man erinnert sich, war dann aber erstmal recht ernüchternd. Ich war hiervor vom Leben verwöhnt und wenn es auch Fehlschläge gab, so hat sich doch eigentlich immer alles im Leben so ergeben, wie ich das wollte. Der Wind war nun ein bisschen rauer. Kaum gute ausgeschriebene Stellen, wenig Feedback zu meinen Bewerbungen und auch die ersten Bewerbungsgespräche waren ein Lernprozess, um es mal vorsichtig auszudrücken. Wenn ich jetzt an diese Zeit denke ist es für mich erstaunlich, wie sehr sich mein Leben verändert hat. Die Suche hatte nämlich doch ein Happy End. So stehe ich jetzt bei RWE in Lohn und Brot, finde mich in der Welt der Großkonzerne zurecht und kann mich auf eine der nettesten Abteilungen berufen, die ich bisher erleben durfte.
Das nächste große Ereignis des letzten Jahres hat einen Namen : Claudia. Direkt am Anfang des Jahres in mein Leben getreten, hat diese wunderbare Person so viel verändert. Einmal ist da dieses unbestimmte, aber tiefglückliche Gefühl, das mich in den letzten Monaten erfüllt. Andererseits werde ich wohl die Niederlande nie wieder so sehen, wie vor unserer Bekanntschaft. An dieser Stelle ein ganz riesiges Dankeschön an diese Person, die mir die letzten Monate so großartig gemacht hat. Mögen noch gaaanz viele kommen.
Das war also ganz grob mein letztes Jahr. Natürlich habe ich jetzt meine große Reise und auch die vielen kleinen Dinge unterschlagen, die so ein Jahr ausmachen. Aber ich will ja nicht schwafeln.
Was soll also das nächste Jahr bringen? Natürlich nur Wunderbares! Mich wird es höchstwahrscheinlich nach Indien verschlagen, der neue Job wird so viele neue Erfahrungen bringen und auch alles andere Geplante scheint super zu werden. Aber bei aller Planerei darf natürlich eines nicht fehlen: Neujahrsvorlagen. Also hier meine 10 Vorsätze:
1. Mehr Käsebrote (aka etwas weniger Fleisch in meinem Leben)
2. Weniger Cola (lassen wir’s mal bei einem Liter alle zwei Tage. ihr wollt nicht wissen, wie viel es vorher war)
3 Mehr Fotografie ( Es juckt wieder mein Auslösefinger. Bis Sommer will ich meine Bilder sortiert haben (siehe: Absturz!) und dann eine 365 anfangen)
4 Bücher lesen (Bei mir fliegen so viele Bücher rum. Eins im Monat muss drin sein)
5 Urlaub (Eigentlich wie jedes Jahr)
6 Joker (Alles will ich ja nicht verraten)
7 Fit werden (Der Bürojob fordert einen Tribut. Aber 2012 soll dann doch wieder ein Marathon drin sein)
8 Japanisch lernen (Muss ich wieder rein kommen. Wenigstens wie frisch nach meinem Aufenthalt dort)
9 Programmieren (Coden macht Spaß. Ich will mir php beibringen)
10 Schlafen (Gerade muss ich morgen um 5 Uhr aufstehen. Da braucht man schon ein wenig Disziplin, um auf seine Schlafstunden zu kommen)
So jetzt habe ich Sie alle zusammen. Ich hoffe auch, dass wir uns hier etwas öfter sehen, als in letzter Zeit!
Letztes Wochenende habe ich meine Verwandtschaft in Wien (und Umgebung) besucht. Den Besuch hatte ich mir schon seit Ewigkeiten vorgenommen, kam aber leider zwischen der Uni und den ganzen Praktika nicht dazu. Schade, denn ich könnte schon wieder hin.
Zentrum von Wien steht. Für mich war er aber wegen seiner Katakomben so interessant. Hier gab es den neuen Teil, der für “Höhere” bestimmt war, und den alten, in dem die normale Bevölkerung ihre letzte Ruhe fand. Im ersten Teil waren z.B. die Habsburger, ein sehr mächtiges Adelsgeschlecht, begraben. Da diesen aber ein einzelnen Begräbnis nicht reichte, hat man für jeden gleich drei abgehalten. Eines für den Körper, eines für das Herz, eines für die anderen inneren Organe, jedes in einer anderen Kirche. So stand ich dann zwischen vielen Gefäßen, die ein wenig an Einmachgläser erinnerten und die inneren Organe enthielten. Ein komisches Gefühl. Im alten Teil war sehr interessant zu sehen, wie früher bestattet wurde. Hier gab es nämlich nur Massengräber, die teilweise auch komplett für Pestopfer reserviert wurden. War dieser Teil der Katakomben voll, hatte man auch keine Skrupel, die Gebeine einfach platzsparender einzulagern um Platz zu schaffen. In Summe alles sehr makaber, aber definitiv sehenswert.
Wo wurde damals der nordkoreanische Atomtest detektiert? Nicht in einer abgelegenen Forschungsstation, sondern genau hier. Ich wollte natürlich alles besichtigen. Nachdem ich meinen Besucherausweis in der Hand hielt kam ich mit einer aus Washington geschickten Studentengruppe ins Gespräch. Sie studierten alle Politik und wurden in 10 Tagen durch ganz Europa geschickt. Ich malte mir aus, dass deren Führung bestimmt interessanter werden würde und ging einfach mit. Das Innere war dann auch wirklich beeindruckend. Natürlich alles im Stil der 70er, aber man muss sich ja auch dazu denken, was hier alles getan wird und welche verschiedenen Positionen es hier schaffen, relativ friedlich unter einem Dach zu arbeiten. Und das zu einer sensationellen Miete von 1 Schilling im Jahr! Eindeutige Höhepunkte der Reise waren der Friedensnobelpreis, der an einer Wand hing (ich war ihm soo nah), und das Stück Mond, dass die NASA als Geschenk gegeben hat. Schon beeindruckend, wenn man sich vorstellt, was es für eine Reise hinter sich hat. Ein Hoch auf die Ingenieure ;)
Die Nationalbibliothek und die Schatzkammer kamen noch zum Schluss. Der Prunksaal der Bibliothek war sehr schön und geräumig, war aber trotzdem nicht so eindrucksvoll wie der der Anna Amalia Bibliothek. Man merkte, dass diese Bücher nicht mehr genutzt wurden. Die Schatzkammer war beeindruckend. Schon allein wegen der Reliquien. Ein Nagel vom Kreuz, eine Dorne der Dornenkrone, ein Stück Holz vom Kreuz und sogar die Lanze, mit der Jesus erstochen wurde, waren hier zu finden. Wie hat mal jemand gesagt? “Wenn alle Reliquien wahr wären, wäre Jesus an einem ganzen Wald gekreuzigt worden.”
“Miniaturwunderland”. Bekannt aus Film und Presse war ich gar nicht so scharf daraus, da ich nicht so auf Modelleisenbahnen stehe. Aber das war wirklich schön. Eigentlich geht es gar nicht so sehr um Modelleisenbahnen, sondern um die Welt, die die Modellbauer da erschaffen haben. Und sie haben wunderbar schrullige Ideen eingearbeitet, die man so gar nicht von einer biederen Modelleisenbahnwelt erwarten würde. So hat sich ein genauerer Blick immer gelohnt.