Wir sind dann mal weg! (Die Erste)

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Die Idee, den Jakobsweg zu laufen, war bei mir schon relativ früh geboren. Ca. mit 17 Jahren las ich davon und fand die Idee faszinierend, auf diesen Weg, der schon von tausenden Menschen über die Jahrhunderte begangen wurde, meine Füße zu setzen. Immer wieder hatte ich mir den Lauf vorgenommen. Nach dem Abi, nach dem Diplom… und immer mit guten Gründen aufgeschoben. Als die Ferienplanung 2012 anstand standen meine Freundin Claudia und ich vor einem Rätsel. Abenteurer sollte drin sein, Spaß, Sport und auch Erholung. Zunächst schwebte sogar eine Radtour durch die USA im Raum. Diese mutierte aber über die Zeit. Erst sollte der Jakobsweg mit dem Fahrrad abgefahren werden, dann wurde auch noch das Fahrrad weg gelassen. Und dann, ja dann waren wir wieder bei dem ganz ursprünglichen Plan, den ich seit über 10 Jahren hegte.

DSC01060Die Planung haben wir uns denkbar einfach gemacht. Da wir beide absolut nicht für eine mehrtägige Wanderung, noch dazu im heißen Spanien, ausgerüstet waren, haben wir uns im Globetrotter, Köln ausgestattet. Dieses Geschäft hat sich als reine Wunderwelt herausgestellt. Man will seine Sachen in der Eiskammer oder in tropischen Monsunverhältnissen ausprobieren? Kein Problem hier. Diese Tour war insofern eine gute Sache, als dass wir nach diesem Tag und ein paar Einkäufen im Internet wirklich gut ausgestattet waren und uns schon mal um eine Sache weniger einen Kopf machen mussten. Blieb nur noch die Reiseroute. Diese hatte sich dann auch schnell erledigt in Form eines Reiseführers, den wir geschenkt bekommen haben. Der Weg führe über große Teile am Atlantik vorbei und wurde als relativ ungestört beschrieben. Warum also nicht? Nachdem der Pilgerpass bestellt war, war für uns die Planung schon abgeschlossen. Klar hat man sich Probewanderungen, Tagesroutenplanung vorgenommen. Aber wie das so oft mit Plänen und dem Leben ist, kam immer was dazwischen.

DSC01369Und genau das sollte sich schnell rächen. Unsere erste Tagesetappe führte uns von Gijon nach Aviles. Obwohl dies beliebte Startpunkte für den Weg sind, sind beides sehr industriell geprägte Städte, die weder durch Wanderfreundlichkeit, noch durch Schönheit beeindrucken. Stundenlang ging es auf Schnellstraßen durch eine Industriewüste, die das Ruhrgebiet als Bundesgartenshow erschienen ließ. Hinzu kam, dass der Weg relativ gebirgig war. Mein flüchtiger Gedanke war ja, dass sich an der Küste alles auf Meerespiegelebene abspielt und darüber hatte ich selbst meine eigenen Ausflüge in das Gebirge im Norden Spanien vollkommen über Bord geworfen. Dass ich mit dem Satz „Die haben noch nie einen Marathon gelaufen“ die empfohlenen Gewichtsangaben der Reiseführer weitgehend in den Wind geschrieben hatte und alle Kameraobjektive vor mir hertrug, war in dieser Situation auch nicht förderlich. Ach ja, um unser Glück an diesem Tag perfekt zu machen hat es über weite Strecken geregnet.

Als wir am Abend in Aviles ankamen war ich mir ehrlich gesagt gar nicht mehr sicher, ob diese Reise eine so gute Idee war. Der Muskelkater für den nächsten Tag kündigte sich schon an und von Erholung war auch keine Rede mehr. Wir waren uns schnell einig, dass wir es an den nächsten Tagen etwas ruhiger angehen lassen würden. Statt der ursprünglichen 25 wurden nun 20 Km für eine Tagesetappe angesetzt und die ein oder andere Busreise sollte uns auch erlaubt sein. Im Nachhinein waren das auch genau die richtigen Entscheidungen. Obwohl der Regen und das Gebirge uns nicht wohlgesonnener wurden, kamen wir mit dieser Strategie langsam aber sicher durch Gewöhnung in die grüne Zone, in der die Wanderei richtig Spaß machte. Aber dazu ein andermal…

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One Comment

  1. Melina December 18, 2012

    Hab ich dir erzaehlt, dass wir auch in Aviles auf einer Hochzeit waren? Kater hatten wir auch, aber nicht in den Muskeln.

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